Synthetische Cannabinoide gehören zu einer großen Gruppe künstlich hergestellter Substanzen, die gezielt an das körpereigene Endocannabinoid-System wirken. Sie wurden ursprünglich für die medizinische und pharmakologische Forschung entwickelt, sind jedoch vor allem durch ihre Verwendung in sogenannten „Spice“-Produkten bekannt geworden. Aufgrund ihrer starken und oft unvorhersehbaren Wirkung stehen sie seit Jahren im Fokus von Gesundheitsbehörden, Forschungseinrichtungen und Gesetzgebern.
Was sind synthetische Cannabinoide?
Synthetische Cannabinoide sind chemisch hergestellte Wirkstoffe, die an dieselben Rezeptoren (CB1 und CB2) binden wie natürliche Cannabinoide aus der Cannabispflanze, insbesondere THC. Im Gegensatz zu pflanzlichen Cannabinoiden handelt es sich jedoch nicht um natürliche Extrakte, sondern um vollsynthetische Moleküle, die im Labor entwickelt wurden.
Charakteristisch ist, dass viele synthetische Cannabinoide deutlich stärker an die Rezeptoren binden als THC. Dadurch können selbst geringe Mengen intensive Wirkungen auslösen. Gleichzeitig ist die Zusammensetzung vieler Produkte nicht standardisiert, was die Effekte schwer vorhersehbar macht.
Synthetische Cannabinoide – Wirkung
Die Wirkung synthetischer Cannabinoide entsteht durch ihre Aktivierung des Endocannabinoid-Systems, das unter anderem an folgenden Prozessen beteiligt ist:
- Wahrnehmung
- Stimmung
- Schmerzverarbeitung
- Gedächtnis
- Appetit
- Stressreaktionen
Im Vergleich zu natürlichem Cannabis ist die Wirkung häufig intensiver, schneller einsetzend und kürzer, kann aber auch deutlich belastender sein. Dokumentierte Effekte umfassen unter anderem:
- starke psychoaktive Effekte
- Angstzustände und Panik
- Verwirrtheit und Halluzinationen
- Herz-Kreislauf-Reaktionen
- Übelkeit und Schwindel
Die Wirkung variiert stark je nach Substanzklasse, Dosierung und individueller Reaktion.
Synthetische Cannabinoide – Liste
Es existiert keine vollständige, abschließende Liste synthetischer Cannabinoide, da kontinuierlich neue Verbindungen entwickelt werden. Bekannte Stoffgruppen sind unter anderem:
- JWH-Verbindungen
- AM-Verbindungen
- HU-Derivate
- CP-Verbindungen
- neuere Indazol- und Indol-Derivate
Viele dieser Stoffe wurden ursprünglich für Forschungszwecke synthetisiert, etwa zur Untersuchung von Rezeptorbindung, Signalwegen oder therapeutischem Potenzial.
Synthetische Cannabinoide als Liquid
In den letzten Jahren taucht zunehmend der Begriff „synthetische Cannabinoide Liquid“ auf. Dabei handelt es sich um flüssige Trägermedien, in denen synthetische Cannabinoide gelöst sein können. Diese Form stellt aus analytischer Sicht eine zusätzliche Herausforderung dar, da Konzentrationen schwer einzuschätzen sind und sich Wirkstoffverteilungen stark unterscheiden können.
Aus wissenschaftlicher und gesundheitlicher Sicht gelten flüssige Zubereitungen als besonders schwer kontrollierbar, da bereits minimale Mengen eine starke Wirkung entfalten können.
Synthetische Cannabinoide – Erfahrungen
Berichtete Erfahrungen mit synthetischen Cannabinoiden unterscheiden sich stark. Während einige Nutzer von kurzen psychoaktiven Effekten berichten, beschreiben andere negative und belastende Reaktionen. Häufig genannte Erfahrungen sind:
- schnelle Überforderung
- starke mentale Effekte
- Kontrollverlust
- körperliches Unwohlsein
Aus diesem Grund warnen Fachstellen ausdrücklich vor der Unberechenbarkeit dieser Substanzen.
Synthetische Cannabinoide – legal oder verboten?
Die rechtliche Lage zu synthetischen Cannabinoiden ist komplex und dynamisch. In Deutschland und vielen EU-Staaten unterliegen sie dem:
- Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
- Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG)
Viele Wirkstoffe sind explizit verboten, andere fallen unter stoffgruppenbasierte Verbote, um neue Derivate automatisch zu erfassen. Für Forschungseinrichtungen gelten besondere Genehmigungs- und Dokumentationspflichten.
Fazit
Synthetische Cannabinoide sind hochwirksame, künstlich hergestellte Substanzen mit starker Bindung an das Endocannabinoid-System. Ihre Effekte sind deutlich schwerer vorhersehbar als bei natürlichen Cannabinoiden, was sowohl aus gesundheitlicher als auch aus rechtlicher Sicht problematisch ist. In der Forschung spielen sie weiterhin eine Rolle, etwa zur Untersuchung von Rezeptormechanismen, außerhalb kontrollierter Rahmenbedingungen gelten sie jedoch als risikoreich und streng reguliert.